Wir sind Menschen!

Man muss sie sich ungefähr so vorstellen, die riesige Stadt in Ägypten, Kairo: Unzählige Hochhäuser eng aneinandergereiht, kleine Gassen, hupende Autos, freilaufende Tiere ohne Besitzer:in, Busse, die mitten auf der stark befahrenen Straße wenden und viele, viele Frauen, Männer und Kinder wimmeln dazwischen. Die Straßenregeln regeln sich erst dann, wenn sie geregelt werden müssen, nämlich im Moment selbst. Ich habe schnell gelernt: Es gibt tatsächlich immer einen Weg, auch da, wo ich niemals einen vermutet hätte. Die Rufe der Muezzine von den Minaretten gehören genauso dazu wie die vielen Bazare, mit denen Menschen dort ihr Leben unterhalten. Und mittendrin fließt der Nil, an und um den die Menschen ihr Leben bauen. Der Nil ist in Ägypten die Quelle des Lebens, die Wüste dagegen ein Ort der Leere und des Todes. In Ägypten steht vieles nebeneinander, nicht gegeneinander, schon in der altägyptischen Welt der Göttinnen und Götter. Kairo ist eine pulsende Stadt, die nie zur Ruhe kommt.

Die Menschen dort zu erleben war für mich sehr eindrücklich. Viele lachen, sind offen. In Ägypten wird eine andere Kultur gelebt, als beispielsweise in Deutschland, ohne dies auf irgendeine Art zu bewerten. Es ist eher die Erfahrung: Wir leben alle auf der gleichen Erde, ganz gleich, ob uns vier Stunden Flug trennen, oder nicht. Diese unsere Welt ist gigantisch. Reisen öffnen den eigenen Denk-Raum, setzt viele bisher selbstverständlich gewordenen Denkweisen in ganz neue Verhältnisse, lotet das eigene Leben neu aus.

Auch wenn ich kein Arabisch spreche, so hatte ich in den Begegnungen das Gefühl, die menschliche Sprache geht weit über Worte hinaus. Da sagt ein Winken schon viel und ein Lächeln noch mehr. Wir sind Menschen! Ganz egal, wo wir auf diesem Planeten hingestellt sind – in einem Hochhaus, einer Suite, einem Hinterhof, einem Haus ohne Dach oder unter einem Zelt – die Würde ist für alle dieselbe. Und mit dieser Erkenntnis beginnt für mich eine neue Welt.

Wir wünschen Euch und Ihnen allen eine frohe Osterzeit und die Erfahrung, als Mensch auf dieser Erde gesehen, entdeckt und geschätzt zu sein.

Ihre und Eure Franziskanerinnen sf