Wann haben Sie zuletzt gestaunt? Ich meine dieses Staunen, in denen die Welt für einen Moment still steht. Ich meine dieses Staunen, das großen Respekt vor jemandem oder etwas ausdrückt.
Ich meine diese Momente, die tief in mein Herz hineinreichen und mich plötzlich etwas von dem großen Geheimnis des Lebens ahnen lassen.
Da geht mir zum Beispiel mein Herz auf, wenn ich ein neugeborenes Geschöpf in meinen Händen halte, wenn ich eine Dokumentation über Blauwale sehe, wenn der Geschmack einer Himbeere auf meiner Zunge zergeht, oder . . .
All das scheint mir unantastbar, heilig eben, und nicht „machbar“ oder „kaufbar“. All das lässt mich staunen.
Menschen, die schon einmal im Weltall waren, staunen groß, weil sie unseren Planeten Erde aus großer Entfernung gesehen haben. Sicher haben Sie schon von dem Astronauten Alexander Gerst gehört, der bei Kindern und Erwachsenen sehr beliebt ist, weil er öffentlich von seinen Erfahrungen und Erkenntnissen aus dem All berichtet, einen Einblick in seine Arbeit gibt und Fragen beantwortet, zum Beispiel, ob man im All Fußball spielen oder wie ein Papierflieger dort oben fliegen kann. Alexander Gerst gewinnt vom Weltraum aus einen ganz klaren und in vielerlei Hinsicht notwendigen Blick auf unsere Erde: „Wenn man am ersten Tag aus dem Weltraum herunterschaut, schaut man auf seine Stadt, am zweiten Tag auf sein Land und Kontinent, aber irgendwann schaut man nur noch auf die Erde. Dann ist das die Heimat, die man spürt.“ Wie gut, dass es auch Perspektiven gibt, bei denen Nationalstolz und Ländergrenzen nicht das letzte Wort haben, sondern völlig unwichtig werden und das eigentlich Wichtige in den Vordergrund rücken kann. Diese Perspektive ist natürlich nicht nur aus dem Weltall heraus möglich, sondern im ganz Alltäglichen!
Alleine schon bei Fotoaufnahmen aus dem All gerate ich in ein großes Staunen und die großen Fragen des Lebens kommen wie von alleine: Wer sind wir eigentlich? Welche Bedeutung wird unser Leben gehabt haben? Wie wird die Botschaft lauten, die wir hier hinterlassen?
Wer sich diese Haltung des Staunens immer wieder bewusst macht und seine Sinne öffnet für die vielen Wunder der Schöpfung, der kreist nicht mehr nur um sich selbst, sondern entwickelt die Haltung der Dankbarkeit dem Leben gegenüber. Dankbar zu sein, das verbinde ich mit einem sinnvollen und erfüllten Leben. Dankbar sein kann ich jeden Tag und muss ich nicht aufschieben in die ferne Zukunft. Dankbarkeit ist für mich auch ein Name Gottes.
Wenn ich früh aufwache, bete ich zuerst „Danke, Gott!“. Ein befreundeter Muslim hat mir das Wort „Alhamdulillah“ beigebracht, das ich auch tagsüber vor mir hermurmle und was so viel bedeutet wie: Aller Dank und alles Lob gehören Gott. Alles, alles gehört Gott.
Wir wünschen Euch und Ihnen allen viele staunenswerte Momente in Ihrem Alltag, ein ganz weites Herz und eine Dankbarkeit, die Ihnen nichts und niemand nehmen kann.
Ihre und Eure
Franziskanerinnen sf
