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In Wort und Bild

Oktober 2017

Blicke ... – verändern die Welt

Anstelle eines Gedichts und Bildes möchten wir Sie und Euch in diesem Moment einladen, folgendes Video anzusehen.

Es heißt "Look Beyond Borders" und wurde von Amnesty International 2016 projketiert. Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, bekamen als einzige Aufgabe, nicht miteinander zu sprechen, sondern sich schlicht in die Augen zu sehen, während sie sich gegenübersitzen.

Man sieht, wie sich die Blicke verändern, je länger sie auf die andere/den anderen gerichtet sind. Fast alle Begegnungen münden in ein gegenseitiges Zulächeln, die Fremdheit wird weniger, die Zugewandtheit nimmt zu.

Angesichts des Debakels, das die Bundestagswahl im September für alle demokratischen Kräfte bedeutet hat und nun die schon gebändigt geglaubten Stimmen, noch mehr nach rechts zu rücken, wieder laut werden lässt, empfehlen wir, dieses Video zu schauen.

Nicht das Schärfen von Vorurteilen, nicht das Abgleiten in menschenverachtende Abwertungen schafft Neues, Besseres, sondern, sich dem anderen zu stellen, ihn durch die eigene Aufmerksamkeit zu würdigen, ihm Ansehen zu schenken.

Für uns ist das der Weg schlechthin, den Menschen, die sich abgehängt wissen, deutlich zu machen, dass sie dazugehören. Dann ist es auch egal, ob jemand die eigene Sprache spricht oder eine fremde, aussieht wie unser einer oder anders.

Kein Wunder, dass Menschen wie Franz von Assisi, dessen Fest wir am 4. Oktober feiern, gerade dadurch die Welt und die Kirche revolutionierte, dass er bestehende Denk-Schubladen aufbrach und einfach zu den Menschen hinging, sie sah und sich davon verändern ließ.

Euere und Ihre Franziskanerinnen sf

 

September 2017

herbstwege gehensept_17

nicht trauern
über das
was vergeht

ein Auge haben
für das
was sich wandelt

sich öffnen
für neue farben
neue gerüche

bejahen
dass eines vergeht
und anderes kommt

Peter Klever

 

Ich finde es gar nicht immer so leicht, wenn die Vorboten des Herbsts sich ankündigen:
- wenn die Tage kürzer werden,
- wenn es merklich früher dunkel wird,
- wenn die Temperaturen sinken,
- wenn das Wetter nicht mehr so beständig ist und man morgens zu überlegen beginnt, was man anziehen muss, um für die Temperaturschwankungen und Wetterwechsel des Tages gerüstet zu sein,
- wenn die Urlaubstage enden und der Arbeitsalltag sich wieder ankündigt,
...

Und doch ist gerade der Herbst eine Jahreszeit, die einlädt, Farben in ihrer Intensität wahrzunehmen, Früchte zu ernten und zu sehen, was sich alles im Jahr getan und verändert hat.
Augen, die fähig sind das zu sehen, wünschen Eure/Ihre

Franziskanerinnen sf

 

August 2017

ZwischenraumAugust_17

niemandsland. gott. zwischenraum
in dem wir uns treffen ohne anzukommen
bildreich. In immer neuen wohnungen
manche nicht größer als ein

 

ach
Nach einer alten jüdischen Überlieferung hat Israel am Sinai nur einen Knacklaut gehört.
Alles andere ist Interpretation

Wilhelm Bruners

 

August – Sommer – Urlaub,
das ist hoffentlich eine Zeit, in der es möglich ist, die Arbeit hinter sich zu lassen und neue Räume zu betreten – vielleicht auch solche Zwischenräume, wie sie Wilhelm Bruners in seinem Gedicht beschreibt.

Zumindest wünschen wir Ihnen und Euch das sehr herzlich,
Ihre und Eure Franziskanerinnen sf

 

 

Juli 2017

Morgenwonne


Ich bin so knallvergnügt erwacht.Kaffee
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich »Euer Gnaden«.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

Joachim Ringelnatz

Heute beim Aufstehen, als schon die Sonne in mein Zimmer schien und die Vögel vor meinem Fenster zwitscherten, fiel mir dieses Gedicht von Joachim Ringelnatz ein. Wenn ein Tag so beginnt, fällt es nicht schwer leicht zu erwachen, aufzustehen und auch einen Blick für die Kleinigkeiten zu bekommen, die das Leben reich und schön machen. Wir wünschen Euch/Ihnen viele solcher "knallvergnügter" Momente und einen "ungeheuren Appetit auf Leben"!


Eure/Ihre
Franziskanerinnen

 

 

Juni 2017

Juni17Nur für diesen Tag

Wir sind für den Tag gemacht,
nur für diesen, den unsren.

Die kommenden Tage,
die Tage hinter dem Horizont,
gehören Menschen, die anders sein werden.

Unser Frühling ist dieser Frühling,
unser Sommer ist dieser Sommer,
und unser Herbst ist dieser Herbst.

Darum müssen wir
mehr als die andern
Den Boden unter den Füßen fühlen
während wir gehen,
diesen kurzen Boden
von Morgen bis Abend.

Wir müssen dünne Sohlen tragen
oder barfuß gehen.
Was wir berühren, mit leichtem Finger berühren,
mit wachen Fingerspitzen,
nicht achtlos.

Hilde Domin

Ein Wunsch für den Alltag, für den beginnenden Sommer
Eure und Ihre Franziskanerinnen sf

 

Mai 2017

Frage dich nicht,
was die Welt braucht.

Frag dich lieber,
was dich lebendig macht,
und dann geh hin
und tu das Entsprechende.

Denn die Welt
braucht nichts so sehr,
wie Menschen,
die lebendig geworden sind.

John Eldredge

 

Eine gute Spur, was Sinn macht, was wesentlich ist oder zum Wesentlichen führt, was Zufriedenheit schaffen kann, könnte dieser Text von John Eldredge bieten.
Es ist die Spur, die nach einem MEHR an Leben fragt - persönlich aber auch für andere.

Wir wünschen viel Lebendigkeit auf dieser Spurensuche

Eure Franziskanerinnen sf

 

Mai_17

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

April 2017

Ermutigung auf Ostern zu

Herr,
wie gut wäre es
könnte ich eines Tages
mit schmutzigen Händen
vor dir stehen.

Du würdest sagen:
"Es war gut.
du hast dich eingemischt.
Du hast angepackt.
Du hast auch Fehler gemacht,
hast verletzt, hast verdorben.
Aber du hast deine Hände
nicht im Schoß versteckt.
Du gibt sie mir
gebraucht zurück.

Bernhard Meuser

 

In diesem Sinn wünschen wir Ihnen und Euch allen ein gutes Zugehen auf Ostern zu!


Ihre Franziskanerinnen sf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Elisabeth Wöhrle sf

 

 

März 2017

Nachfolgender Text lädt mich ein, "Verzicht" einmal unter anderen Vorzeichen zu sehen:

Heute
verzichte ich darauf,
wichtig zu sein.

Ich setze mich
in den Schatten
und lasse geschehen.

Noch zappeln die Finger,
die Gedanken kreisen um mich
und meine Aufgaben.

Nach und nach
werden die Arme schwer,
der Atem beruhigt sich und mich.

Nur schauen. Nur sein.
Lichtflecken tanzen über das Gras,
ein Gänseblümchen zwinkert mir zu.

Kleine Meisen lernen fliegen.
Der Wind streicht mir übers Gesicht,
ein Schmetterling spürt mich auf.

Wenn ich still werde,
kommen Gott und die Welt
zu mir.

Tina Willms

Vielleicht kann das auch ein gute Anregung für die kommende Fastenzeit sein - aus der Geschäftigkeit und dem ständigen Anspruch etwas leisten zu müssen immer wieder und immer mehr darauf zu verzichten, wichtig zu sein und immer wieder und immer mehr in die Haltung des Nur-Seins zu kommen.

Das wünschen wir uns und Euch für diese Fastenzeit

Eure Franziskanerinnen sf

 

märz17

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Februar 2017

Manchmal …

Manchmal frage ich mich, ob wir gar nichts gelernt haben – aus unserer Geschichte, von den Alten, die wissen, was Krieg, Verfolgung und auch Flucht bedeuten?

Manchmal frage ich mich, ob die wiederholte Beschäftigung mit Auschwitz, das Erschrecken über Mechanismen, anderen das Menschsein abzusprechen, die Begegnung mit den Zeitzeuginnen und -zeugen, die den Holocaust überlebt und Schlimmstes erfahren haben, unsere Wachsamkeit nicht genügend schärfen konnten und unseren Einsatz nicht genügend stark machen konnten gegen nationalistische und populistische Parolen und Agitationen gegen Fremde und Andersgläubige, die heute wieder hoffähig zu werden scheinen?

Manchmal fühle ich mich in Zeiten zurückversetzt, die ich nicht mehr für möglich gehalten hätte, weil wir doch wissen, dass das Bauen von Grenzen und Zäunen, der Rückzug auf das Nationale und die Uniformierung von Meinungen noch nie zu etwas Gutem geführt haben.

Und dann wird mir – Gott sei Dank – wieder deutlich, was heute anders ist als in den 1920ern:

Tagtäglich erleben wir, dass Demokratie funktioniert.

Tagtäglich begegnen wir Menschen, die vorleben, wie reich das Leben wird, wenn wir teilen: mit denen, die wenig haben, mit denen, die fremd sind, mit denen, die sich noch nicht oder nicht mehr zurecht finden.

Syr_Freunde

Unser Leben zumindest ist reicher geworden, seit unsere syrischen Gäste zu Freundinnen und Freunden geworden sind.

Diese Erfahrungen wünschen wir auch anderen, die sich vielleicht noch scheuen und unsicher sind: aber nur Mut, denn wenn wir die Augen aufmachen, werden wir nicht Fremde, sondern Menschen sehen.

Euere Franziskanerinnen sf

 

 

Januar 2017

Du menschenfreundlicher Gott,
lass uns deine Liebe sichtbar machen
und Herzensmenschen werden,
die dem Anderen ungeteilte Aufmerksamkeit
und neue Hoffnung schenken.

Schenke uns Herzensohren,
die sensibel bleiben
und offen für die Nöte und Sorgen der Menschen,
empfänglich auch für die stummen Rufe
nach Unterstützung und Zuwendung.

Schenke uns Herzensaugen,
die tiefer sehen
und uns mit wachem Blick erkennen lassen,
wo es ankommt auf uns,
damit Leid und Not gelindert werden.

Schenke uns Herzenshände,
die bewegt sind
von deiner Liebe und Menschenfreundlichkeit,
nicht nur halbherzig berühren und geben,
sondern sich einbringen mit allem, was uns geschenkt ist von dir.

Hannelore Bares

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember 2016


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

November 2016

Engagement lohnt!

Nicht erst das Wahlergebnis in den USA beweist, dass in unserer Welt etwas aus den Fugen geraten ist. Menschen finden sich von politischen Parteien nicht mehr vertreten, wollen den Etablierten einen Denkzettel verpassen und scheuen deshalb nicht davor zurück, Rechtspopulisten zu erliegen, Steuerbetrügern auf den Leim zu gehen, rassistischen Parolen und Diskriminierungen Gehör zu schenken.

Was passiert da gerade und warum passiert das auch bei uns in Deutschland? Warum fühlen sich Menschen im Stich gelassen, ausgeschaltet, ohne Perspektiven auch in einem Land, in dem der Wohlstand zu Hause ist?

Vielleicht liegt eine Schwierigkeit darin, dass einfache Lösungen nicht weiterhelfen. Differenzierung ist gefragt und die braucht Zeit.

Manchmal denke ich mir, wie es wohl wäre, wenn die Kirchen und wir als Gläubige hier in die Bresche springen. Wenn wir den Menschen zeigen könnten, dass wir an der Seite der Benachteiligten stehen, dass sie bei uns Gehör finden und wir uns für sie stark machen – im Kleinen, aber auch auf der politischen Bühne. Könnten wir etwas ändern?
Ich meine ja.

Engagement lohnt!

 

Euere Franziskanerinnen sf

 

Oktober 2016

 

Augen auf!

Und wenn sie wieder marschieren,
mit Parolen unsere Liebe zensieren,
siehst du die Welle dort am Horizont,
aus Angst wird Wut und aus Wut wird Gewalt,
sie rast auf uns zu in Menschengestalt.
Siehst du die Welle wie sie näher kommt,
läufst du mit, läufst du weg oder tauchst du hinein?
Traust du dich mit deiner Meinung alleine zu sein?

Augen auf!
Das hier ist dein Leben. Nur du kannst es bewegen.
Augen auf!
Liebe wird dich tragen. Dein Herz wird lauter schlagen,
Wenn du gibst, wenn du liebst, wenn Mut deine Angst besiegt.
Ja, wenn du gibst, wenn du liebst, wie weit kann Liebe tragen
Und kann ein Herz für alle schlagen?

Auszug aus: Sarah Connor, Muttersprache

.

Eure Franziskanerinnen sf

 

September 2016

Rat

Verabschiede die Nacht
mit dem Sonnenhymnus
auch bei Nebel

hol dir die ersten
Informationen aus den
Liedern Davids

dann höre die
Nachrichten und lies
die Zeitung

beachte die Reihenfolge
wenn du die Kraft
behalten willst
die Verhältnisse zu ändern

Wilhelm Bruners

Dieser „Rat“ von Wilhelm Bruners berührt mich immer wieder neu. Nicht nur weil er während meiner letzten Israelreise ein ständiger Begleiter war, sondern weil er so ganz alltäglich, bodenständig, fast banal und auch eher leise dazu einlädt, mein Gebet mit meinem ganz konkreten Leben zu verbinden – meinen Alltag ins Gebet zu nehmen und mein Gebet in den Alltag -, und genau in dieser Verbindung eine Kraftquelle zu entdecken und aus ihr Kraft zu schöpfen.

Gute Kraftquellen für den ganz normalen Alltag wünschen

Eure Franziskanerinnen sf

 

August 2016

 

 

Blick in das Tal

Von oben her gesehen
sieht vieles anders aus.
Alles hat seine Ordnung,
was unten verworren erscheint.

Von oben her gesehen
hast du Abstand.
Das Durcheinander der Stunden
verwirrt nicht mehr.

Von oben her gesehen
führen auch die gewundenen Wege zu dem Ort,
für den sie da sind.

Bete darum,
zumindest ab und an, immer wieder mal,
dein Leben auch von oben her
zu sehen.

nach Ernst-Peter Weldin

Dieser Wunsch, das Leben ab und an, immer wieder mal, auch von oben zu sehen, Abstand zu haben zu manchen verworrenen Alltagssituationen, den Blick frei zu bekommen für das Wichtige und Wesentliche, manchmal auch Verrücktem Raum zu geben, und im Frosch noch mehr als den Frosch zu sehen, das wünschen wir Ihnen und Euch allen in der kommenden Urlaubszeit.

Einen schönen Sommer, Ihre und Euere Franziskanerinnen sf

 

Juli 2016

Klang der Stille

Manchmal liege ich und lausche
bang in mich hinein.
Kommt das Lärmen noch zur Ruhe,
ist das Schweigen rein?
Ist die Stimme scho erstorben,
die einst in mir sprach?
Kommt ein Same noch zur Reife,
liegt das Feld schon brach?

Manchmal liege ich und lausche,
ob ich noch versteh,
was die Lerchen mir erzählen
überm roten Klee?

Hör ich noch den Klang der Stille
wie vor Jahren heut?
Hab mich oft vor ihr verborgen,
oft, zu oft zerstreut.

Manchmal liege ich und lausche
und dann kommt es vor,
dass der weiche Schoß der Erde
hebt mich leicht empor.

Und dann hör ich deutlich reden
Lerche, Wind und Klee,
stehe auf und sage: Amen,
eh nach Haus ich geh.

Gerhard Schöne

 Eure Franziskanerinnen sf


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Juni 2016

 

 

Verliert euer Ziel nicht aus den Augen
und nicht die Nerven,
wenn manches anders wird, als ihr euch vorgestellt habt.
Verlasst die Gleise der Gewöhnung und verlasst euch aufeinander.
Lernt zuzuhören und begreifen, dass auch die Liebe Jahreszeiten kennt.
Euer Heim sei ein Ort, wo die laute Welt zur Ruhe kommt.
Arbeit sei euch gegeben, aber lasst euch durch sie nicht auffressen.
Das Brot soll euch nie ausgehen und nicht die Lust.
Wenn ihr traurig seid, trocknet euch gegenseitig die Tränen, und dann wieder lacht, bis sie kommen.
Gott schenke euch in der Wüste genügend Wasser,
im Regen einen Schirm und am Abend ein warmes Bett.
Gott gebe euch Kraft, den anderen leben zu lassen,
euch nach dem Streit wieder die Hand zu reichen und
mit dem Essen aufeinander zu warten.
Möget ihr Freunde finden und zu euch selbst.
Traut euch, einander zu vertrauen.
Gott lasse euch ein leibhaftiger Segen sein,
dass ihr im anderen seine Gegenwart auf Erden spüren könnt.

VerfasserIn unbekannt

 

Mai 2016

Die Zeit des Wartens

Die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten ist eine Zeit des Wartens wie wohl keine andere im Jahr, denn das "Nicht mehr" ab Christi Himmelfahrt ist noch stärker als das "Noch nicht" von Advent und Fastenzeit.

Lukas verwendet in der Chronologie seines Doppelwerkes von Evangelium und Apostelgeschichte ganze zehn Tage auf dieses Warten und drückt damit auf zutiefst menschliche Weise aus, was uns allen in den Knochen steckt: Die großen Dinge brauchen Zeit, müssen erwartet und erhofft werden.

Die Jünger/-innen erleben, dass Jesus nicht mehr so greifbar ist wie vorher; und sie spüren, dass diese andere Anwesenheit Jesu erst noch eine Sprache finden muss. Sie warten auf den Geist Gottes, der alles lebendig macht, aus dem Dunkel hervorholt und ins Licht stellt, Neues schafft und der Erde ein neues Gesicht gibt, wie Huub Oosterhuis dies in seiner Nachdichtung von Psalm 104 formuliert.

Alles wartet auf dich voll Hoffnung,
alle Lebendigen bitten dich um Nahrung.

Kehrst du dich ab, so fürchten sie sich,
nimmst du ihren Atem weg, so sterben sie und fallen zurück in Staub.

Sendest du aber deinen Geist,
so werden sie neu geschaffen.
Du gibst der Erde ein neues Gesicht.

Huub Oosterhuis

Allen wünschen wir eine erfüllte Zeit des Wartens und ein schönes Pfingstfest.

Eure Franziskanerinnen sf


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

April 2016

Die Pinguin-Geschichte
oder: Wie man sich in seinem Element fühlt

Diese Geschichte ist mir tatsächlich passiert. Ich war als Moderator auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert. Da denkt jeder: „Mensch toll! Luxus!” Das dachte ich auch. Bis ich auf dem Schiff war. Was das Publikum angeht, war ich auf dem falschen Dampfer. Die Gäste an Bord hatten sicher einen Sinn für Humor, ich hab ihn nur in den zwei Wochen nicht gefunden. Und noch schlimmer: Seekrankheit hat keinen Respekt vor der Approbation. Kurzum: ich war auf der Kreuzfahrt kreuzunglücklich.

Endlich! Nach drei Tagen auf See, fester Boden. „Das ist wahrer Luxus!” Ich ging in einen norwegischen Zoo. Und dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: „Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen?” Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.

Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte: „Fehlkonstruktion!”

Diese Begegnung hat mich zwei Dinge gelehrt.

Erstens: wie schnell ich oft urteile, und wie ich damit komplett daneben liegen kann.

Und zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, ob das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt.

Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig. Und wer nicht so ist, wie die anderen sei getrost: Andere gibt es schon genug! Immer wieder werde ich gefragt, warum ich das Krankenhaus gegen die Bühne getauscht habe. Meine Stärke und meine Macke ist die Kreativität. Das heißt, nicht alles nach Plan zu machen, zu improvisieren, Dinge immer wieder unerwartet neu zusammen zu fügen. Das ist im Krankenhaus ungünstig. Und ich liebe es, frei zu formulieren, zu dichten, mit Sprache zu spielen. Das ist bei Arztbriefen und Rezepten auch ungünstig. Auf der Bühne nutze ich viel mehr von dem was ich bin, weiß, kann und zu geben habe. Ich habe mehr Spaß, und andere haben mit mir mehr Spaß. Live bin ich in meinem Element, in Flow!

Menschen ändern sich nur selten komplett und grundsätzlich. Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe. Also nicht lange hadern: Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde dein Wasser. Und dann: Spring! Und Schwimm!
Und du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein.

Eckart von Hirschhausen

 

März 2016

Gemeinsam

Vergesset nicht - Freunde -
wir reisen gemeinsam
besteigen Berge - pflücken Himbeeren
lassen uns tragen - von den vier Winden
Vergesset nicht - es ist unsre - gemeinsame Welt
die ungeteilte - ach die geteilte
die uns aufblühen läßt - die uns vernichtet
diese zerrissene - ungeteilte Erde -
auf der wir gemeinsam reisen.
Rose Ausländer



 

 

 

 

 

 

 

Viele Gedanken gehen mir in diesen Tagen durch den Kopf. Zum einen steht eine tatsächliche Reise bevor – eine gemeinsame Reise nach Israel, bei der wir viel gemeinsam unterwegs sein werden und wo bei einer anderen Gelegenheit in der judäischen Wüste auch dieses Bild entstanden ist.
Auf der anderen Seite wollen mir die Bilder der letzten Tage nicht aus dem Kopf. Bilder von Menschen, die sich nicht freiwillig auf den Weg gemacht haben, die vor Krieg und Gewalt geflohen sind und nun vor verschlossenen Grenzen stehen und sogar mit Gewalt auf Distanz gehalten werden.
Wir reisen gemeinsam auf dieser Erde — hoffen und beten wir, dass immer mehr Menschen dies nicht vergessen und ihre Verantwortung und ihre Handlungsmöglichkeiten erkennen.

Eure Franziskanerinnen sf

 

Februar 2016


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Immerfort" meint hier nicht ein andauerndes und noch dazu vergebliches Mühen wie bei Sisyphos. Dieser war immer wieder neu gezwungen worden, den Stein, den mühevoll auf den Berg gerollten und doch kurz vor dem Gipfel erneut nach unten geglittenen, wieder und wieder hinauf zu stemmen.
Das "immerfort" Gottes meint etwas anderes. Es steht für eine Fülle, die nie zu Ende geht, für einen Grund, der niemals bricht und eine Gegenwart, die keine Zukunft fürchtet.

Vielleicht kann dieses immerfort Gottes im kommenden Monat eine Zusage sein, sich Gottes Gegenwart bewusst zu werden, der ist und wirkt und verlebendigt immerfort.

Euere Franziskanerinnen sf

 

Januar 2016

Segensgedanken zum neuen Jahr

Mögest du des Mysterium des Hierseins gewahr werden und eintreten in die stille Einsichtigkeit deiner eigenen Gegenwart.

Mögest du Glück und Freude finden im Tempel deiner Sinne.

Möge es dir, wenn neue Grenzen locken, nie an Ermutigung fehlen.

Mögest du dem Ruf deiner Gabe Gehör schenken und den Mut finden, ihrem Weg zu folgen.

Möge die Flamme des Zorns dich von jeglicher Falschheit befreien.

Möge Wärme des Herzens deine Gegenwart hell auflodern lassen, und möge dich die Angst niemals belangen.

Möge deine äußere Würde ein Spiegel sein der inneren Würde deiner Seele.

Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die keine Aufmerksamkeit heischen.

Mögest du Trost finden in der geheimen Symmetrie deiner Seele.

Mögest du jeden neuen Tag als ein heiliges Geschenk erleben, gewoben um das Herz des Wunders.

Eure Franziskanerinnen sf


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember 2015


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

November 2015

Für eine Kultur des Teilens

Im November hören wir viele Geschichten vom Teilen: Am ersten Novembersonntag wird die Erzählung von Elija im Gottesdienst gelesen, dem die Witwe von Sarepta zu essen gab, obwohl sie selbst und ihr Sohn sich schon abgefunden hatten vor Hunger zu sterben.

Am 11. November feiern wir das Fest des Heiligen Martin, der sich unvergesslich nicht nur in die Kinderherzen eingeschrieben hat, weil er den wärmenden Mantel nicht für sich behielt, sondern mit dem Bettler am Wegrand teilte.

Am 19. November ist der Festtag der Heiligen Elisabeth. Schon als Kind an den Herzoghof von Thüringen gebracht, konnte sie sich nie damit abfinden, dass nur die Fürsten und Reichen zu essen haben sollten. Ihr waren die Armen und Bedrängten die Ersten und Liebsten – so sehr, dass aus Brot Rosen wurden.

Vielleicht kommt es nicht von ungefähr, dass wir diese Geschichten hören gerade in diesen Zeiten, in denen Stimmen immer lauter werden, dass es für uns nicht mehr reichen wird, wenn wir mit Menschen teilen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg und Verfolgung, von Hunger und Todesangst verlassen mussten.

Die Witwe von Sarepta zeigt mir, dass Teilen mehr schafft als nur satt zu werden. Für den Heiligen Martin wird die Geste des Teilens zum Beginn eines intensiven und glücklichen Lebens, in dem er Gott immer tiefer findet. Und für Elisabeth ist die Sorge für die Armen mehr als Charity. Sie setzt sich für Strukturen ein, dass es gar nicht mehr so weit kommt, dass die einen immer reicher und die anderen immer ärmer werden.

Erstaunlich und nachdenklich macht mich, dass all diese Erzählungen aus Zeiten rühren, in denen die Menschen, die teilten, auch selbst nicht viel hatten. Da sollte es für uns nicht reichen, da die meisten von uns einen so guten Lebensstil haben, wie es noch nie der Fall war?

Ich merke, dass ich das nicht glauben mag und lieber darauf setze, dass eine Kultur des Teilens auch heute mehr bewegt als manche unken mögen.

Eure Franziskanerinnen sf

 

Oktober 2015


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

September 2015

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. 
Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren, 
und auf den Fluren lass die Winde los. 

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; 
gib ihnen noch zwei südlichere Tage, 
dränge sie zur Vollendung hin und jage 
die letzte Süße in den schweren Wein. 

Aus: „Herbsttag“ von Rainer Maria Rilke

 

Nach einem „großen Sommer“ wünsche ich uns allen noch ein paar „südlichere Tage“, wie es im Gedicht von Rilke heißt, und dann wieder einen guten Einstieg in den Alltag – wie immer dieser auch aussehen mag.

Viele Grüße,
pace e bene

Eure Franziskanerinnen sf


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

August 2015


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Juli 2015

Von einer Friedensdemonstration

Aus Nigeria höre ich,
dass obwohl die Wüste jedes Jahr
drei bis zwanzig Meilen vordringt
die Bauern dort
das ausgetrocknete Land
pflügen
ohne Hoffnung auf eine Ernte.

Der mir das erzählt meint, es sei,
um nicht aus der Übung zu kommen
ein anderer wirft ein, es sei
eine an Stumpfsinn grenzende
Gewohnheit.
Ich erinnere mich an den Mönch
in der ägyptischen Wüste,
dem aufgetragen wurde,
einen Stock so lange zu gießen,
morgens und abends,
jahraus, jahrein
bis er grüne.

Schließlich denk ich wieder
an unsere geplante Demonstration für den Frieden
und danke den stumpfsinnigen Bauern aus Nigeria
fürs Pflügen.


Dorothee Sölle


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Juni 2015

Ich suche nicht – ich finde

Suchen - das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuem

Finden - das ist das völlig Neue!
Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt.

Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer! Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewissheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht - menschlich beschränkt und eingeengt - das Ziel bestimmen.

Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Aussen und Innen: Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

Pablo Picasso

Ein Text, der mich immer wieder einlädt alte Denkmuster zu verlassen, mich ohne vorgefasste Ideen auf den Weg zu machen und so die kleinen oder größeren Überraschungen am Wegrand zu finden.

Viele Grüße,
pace e bene

Eure Franziskanerinnen sf

 

Mai 2015

Mai, Frühling, das lässt an Aufbrechen denken, die Natur erkunden, mit Freunden etwas unternehmen.
Mai, Frühling, das weckt aber auch die Frage, wer ich sein will, was ich machen will aus meinem Leben, wo ich zu Hause sein möchte – vielleicht ähnlich dem, was Huub Oosterhuis in einer Litanei formuliert: noch scheu gegenüber diesem Gott, der nicht zerrt und stößt, sondern einlädt, winkt, mich so betrifft, dass ich will:

Der mich trug
auf Adlersflügeln,

der mich ins Leere
geworfen hat,
dass ich schreiend fiel,
aber du warst schon da,
mit deinen Schwingen
hobst du mich
wieder hinaus,

so dass ich fliegen konnte
aus eigener Kraft.

Der mich nicht zerrte,
nicht stieß, nur winkte,
deine Schwelle zu überschreiten,

der den Schleier meiner Angst
nicht zerriss, aber aufhob,
der mit der bloßen Stimme mich so betraf,
das ich wollte.

Huub Oosterhuis


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

April 2015


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

März 2015

Wer Frieden sucht

Wer Frieden sucht,
wird den andern suchen,
wird Zuhören lernen,
wird das Vergeben üben,
wird das Verdammen aufgeben,
wird vorgefasste Meinungen zurücklassen,
wird das Wagnis eingehen,
wird an die Änderung des Menschen glauben,
wird Hoffnung wecken,
wird dem andern entgegengehen,
wird zu seiner eigenen Schuld stehen,
wird geduldig dranbleiben,
wird selber vom Frieden Gottes leben –
Suchen wir Frieden?

Shalom Ben Chorin

 
Vielleicht ein Bild, ein Text, eine Frage, die immer wieder Impuls zum Nachdenken sein können.
Viele Grüße,
pace e bene

Eure Franziskanerinnen sf


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Februar 2015


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Januar 2015

Was ich dir wünsche ...

Ich wünsche dir Augen,
mit denen du einem Menschen
ins Herz schauen kannst und die nicht blind werden,
wenn es darum geht,
den anderen zu sehen.

Ich wünsche dir Ohren,
mit denen du auch Zwischentöne wahrnehmen kannst,
und die nich taub werden
beim Hören auf das,
was den anderen erfreut und belastet.

Ich wünsche dir einen Mund,
der das Unrecht beim Namen nennt,
und der nicht verlegen ist
um ein Wort des Trostes und der Aufmunterung zur rechten Zeit.

Ich wünsche dir Füße,
die dich auf den Weg bringen zu dem, was wirklich wichtig ist
und die nicht stehenbleiben, wenn entscheidende Schritte getan werden müssen.

Ich wünsche dir ein Rückgrat,
mit dem du aufrecht und aufrichtig lieben kannst,
und das sich nicht beugt vor Unterdrückung, vor Unrecht, und willkürlicher Macht.

Ich wünsche dir ein Herz,
in dem viele Menschen zu Hause sind,
ein Herz, das nicht müde wird, Menschen glücklich zu machen.

Pater Wilhelm Ruhe


Ein gesegnetes neues Jahr 2015 wünschen Euch
die Franziskanerinnen sf


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember 2014


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

November 2014

Heilige

Ein Heiliger wohnt
in der Banalität des Alltags.
Dort wird sein Einsatz verlangt.
Wo findet eine Jungfrau
einen brauchbaren Gatten?
Oder wo findet man
den verlorenen Haustorschlüssel?
Oft trägt er in der Hand
ein banales Zeichen:
ein Salzfass zum Beispiel.

Ein Heiliger hat
viel Banales zu tun.
Aber diese Banalität
grenzt an das Geheimnis.

Ein Heiliger wohnt
im Geheimnis des Daseins:
in einer undurchschaubaren Wolke
oder in einem leuchtenden Glanz.
Der Heilige, der unsere Alltäglichkeit
trägt und teilt,
er wohnt auch in der Fremdheit.

So wie die Hoffnung
in kleinlichem Alltag wurzelt,
aber sich ins Weite entfaltet,
in den Visionen aufblüht.
Ein Heiliger
wohnt in der Hoffnung.

Aus: Joop Roeland, wie die worte das fliegen lernten, Salzburg/Wien 2006.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oktober 2014


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

September 2014

Heimat …

Immer wenn ich eine Weile nicht zuhause war, wenn ich vielleicht die Menschen, die zu meinen unterschiedlichen Lebens-kontexten gehören, ein paar Tage oder Wochen nicht mehr gesehen habe, dann ist das Heimkommen etwas ganz Besonderes.
Es ist verbunden mit einem fremd-vertrauten Gefühl.
Es ist wie ein Herantasten an gewohnt Neues.
Und immer wieder bemerke ich, wie gerade die Menschen das ausmachen, was für mich Heimat bedeutet.
Ein Text von Reiner Kunze drückt dies für mich ganz schlicht und unspektakulär, aber umso treffender aus:

Heimat ist für mich überall dort,
wo ein Mensch ist,
zu dem ich kommen kann, ohne gefragt zu werden,
weshalb ich da bin,
der mir einen Tee anbietet,
weil er weiß, dass ich Tee trinke,
und wo ich bei dieser Tasse Tee schweigen darf.

Reiner Kunze in: Teestunde für Genießer, Cadolzburg 2008

Allen ein gutes "Heimkommen" in diesem Sinne ...

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

August 2014

Weil es in der Welt an so vielen Orten brennt …

Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab:
Emigranten.
Das heißt doch Auswanderer. Aber wir wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluss wählend ein anderes Land. Wanderten wir doch auch nicht ein in ein Land, dort zu bleiben, womöglich für immer. Sondern wir flohen. Vertriebene sind wir, Verbannte. Und kein Heim, ein Exil soll das Land sein, das uns da aufnahm.

Unruhig sitzen wir so, möglichst nahe den Grenzen wartend des Tags der Rückkehr, jede kleinste Veränderung jenseits der Grenze beobachtend, jeden Ankömmling eifrig befragend, nichts vergessend und nichts aufgebend und auch verzeihend nichts, was geschah, nichts verzeihend.
Ach, die Stille der Stunde täuscht uns nicht! Wir hören die Schreie

aus ihren Lagern bis hierher. Sind wir doch selbst fast wie Gerüchte von Untaten, die da entkamen über die Grenze. Jeder von uns, der mit zerrissenen Schuh'n durch die Menge geht, zeugt von der Schande, die jetzt unser Land befleckt.
Aber keiner von uns wird hier bleiben. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen,


Bertold Brecht

 

Juli 2014

In diesem Monat gibt es eine kleine Geschichte - passend zum Sommer:

Eines Tages stritten der Wind und die Sonne miteinander, wer von beiden stärker sei.
"Siehst du den Mann da unten?" fragte der Wind. "Ich werde ihm binnen einer Minute Hut und Mantel entreißen!"
Der Wind legte kräftig los. Aber je kräftiger er pfiff, desto fester drückte der Mann Hut und Mantel an sich. Da gab der Wind schließlich auf.
Dann war die Sonne an der Reihe. Sie begann freundlich zu lächeln und zu strahlen. Und es wurde so arm, dass der Mann bald von sich aus Hut und Mantel auszog ...

Nach einer Fabel von Aesop


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Juni 2014


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mai 2014

Gebet zu Ostern und an anderen Tagen

Komm Du zu mir, Herr,
dann kann ich zu Dir kommen.
Trag' mich Dir nach,
nur so kann ich Dir nachfolgen.
Schenk mir Dein Herz,
nur so kann ich Dich lieben.
Gib mir Dein Leben,
dann werde ich für Dich sterben.
Nimm in Deine Auferstehung all meinen Tod
und sei mein, Herr,
sei mein,
damit ich Dein sei,
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
AMEN

Silja Walter († 2011)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

April 2014


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

März 2014

In Anbetracht der Lage in der Ukraine …

wenn ich leben will

muß ich atmen -
atembare luft

wenn ich leben will
muß ich essen -
eßbares essen

wenn ich leben will
muß ich trinken -
trinkbares wasser

wenn ich leben will
muß ich schlafen und wachen -
nicht nur schlafen

wenn ich leben will
muß ich mich selbst und andere lieben
und gegen krieg sein

Erich Fried


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Februar 2014

Der folgende Text wird Bernhard von Clairvaux (1090-1153) zugeschrieben. Er stammt vermutlich aus einem der vielen Briefe, die Bernhard an seine Mitbrüder, aber auch viele andere Menschen verfasst hat, die um Rat fragten.

Schale der Liebe

"Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter. Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen. Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich."

Er kann vielleicht zu einem "Erinnerungswort" für das noch neue Jahr werden, vor allem in Zeiten, in denen nur das Geben dran zu sein scheint und nur das, was man selbst machen kann – denn interessanterweise lobt dieser Text nicht das das Sich Verschütten, das nicht selten als christliche Tugend deklariert wird, sondern erinnert die Lesenden, das eigene Maß nicht mit dem Maß Gottes zu verwechseln. Gott ist es, der allen aus seiner Fülle die Fülle gibt; für uns ist es viel genug es, daraus zu nehmen und davon weiterzuteilen.

Mirjam Schambeck sf

 

Januar 2014

Zum neuen Jahr

Ich wünsche Dir Frieden,
da wo Du lebst in der Welt.

Ich wünsche Dir Menschen,
vor denen Du denken, reden und schweigen kannst.

Ich wünsche Dir,
dass Du an Gott glauben kannst wie ein Blinder, der zwar die Sonne nicht sieht, aber ihre Wärme spürt.

Ich wünsche Dir,
Zeit zu haben für Dich und für die anderen.

Ich wünsche Dir Menschen,
die zu Dir sagen: "Es ist gut, dass es Dich gibt!"

Ich wünsche Dir,
den richtigen Weg zu finden und dazu den Mut, ihn auch zu gehen.

Nach Albert Eggen


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember 2013


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

November 2013

Dag Hammarskjölds Tod ist nun schon über 50 Jahre her. Noch immer weiß keiner, was am 17. September 1961 geschah, als Hammarskjölds Flugzeug über dem Kongo abstürzte und einen Tag später geplündert aufgefunden wurde. Hammarskjöld war als Generalsekretär der Vereinten Nationen unterwegs, um zwischen den dortigen Kriegsparteien zu vermitteln.
In seinem Nachlass erschienen Tagebuch-aufzeichnungen, die den einflussreichen Politiker als tief religiösen Menschen zeichnen.
Unter dem Jahr 1954 ist folgendes Gebet notiert, das gerade im arbeitsüberladenen November sein eigenes Gewicht entfalten mag.

Du, der über uns ist,
Du, der einer von uns ist,
Du, der ist
auch in uns;
dass alle dich sehen – auch in mir,
dass ich den Weg bereite für dich,
dass ich danke für alles, was mir widerfuhr.
Dass ich dabei nicht vergesse der anderen Not.
Behalte mich in deiner Liebe,
so wie du willst, dass andere bleiben in der meinen.
Möchte sich alles in diesem meinem Wesen zu deiner Ehre wenden,
und möchte ich nie verzweifeln.
Denn ich bin unter deiner Hand,
und alle Kraft und Güte sind in dir.

Dag Hammarskjöld


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oktober 2013


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

September 2013

Weinend sagte Franziskus eines Tages zum Herrn:
Ich liebe die Sonne und die Sterne. Ich liebe Klara und ihre Schwestern. Ich liebe das Herz der Menschen und all die schönen Dinge.
Herr, du musst mir verzeihen, denn nur dich sollte ich lieben.
Lächelnd antwortete der Herr:
Ich liebe die Sonne und die Sterne. Ich liebe Klara und ihre Schwestern. Ich liebe das Herz der Menschen und all die schönen Dinge.
Mein Franziskus, du musst nicht traurig sein, denn das alles liebe ich auch.

Ein Volkslied aus Umbrien

Nach einem hoffentlich schönen Sommerurlaub wünschen wir einen guten Start und Wiedereinstieg in den Alltag! Eure Franziskanerinnen sf


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Juli 2013


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Juni 2013

Du bist ein Mensch

Du bist ein Mensch
und darfst es sein
mit allem, was tief in dir steckt.
Nichts kann dein Leben mindern,
kein Tod kann es verhindern:
Dein Gott hat dich geweckt.
Du bist ein Mensch
und darfst es sein.

Du bist ein Mensch
und darfst es sen
mit allem, was tief in dir steckt.
Kein Licht und keinen Schatten
in dir musst du verraten:
Dein Gott ist's, der dich trägt.
Du bist ein Mensch
und darfst es sein.

Du bist ein Mensch
udarfst es sein
mit allem, was tief in dir steckt.
Wenn deine Ängste sterben
wirst du das Leben erben:
Mit Christus auferweckt.
Du bist ein Mensch
und darfst es sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mai 2013


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

April 2013

"Uns kann kein Tod nicht töten."

Das ist keine sentimental gefärbte Illusionsmalerei. Diese Worte bündeln die Erfahrungen des Ringens, Kämpfens, Verzweifelns, die Alfred Delp SJ machen musste – eingekerkert von den Nazischergen und auf das sichere Todesurteil wartend.
Er schreibt in seinem Tagebuch:
"Wenn ich an die Nacht in der Lehrter Straße denke, in der ich Gott um den Tod gebeten habe, weil ich diese Ohnmacht nicht mehr ertragen konnte, dieser Wucht und Wut mich nicht mehr gewachsen fühlte.
Weil ich die ganze Nacht mit dem Herrgott gerungen und einfach meine Not ihm hingeweint habe. Und erst gegen morgen strömte die große Ruhe in mich ein ... begleitet von der Erkenntnis: Du musst es durchstehen.
Adoro et suscipe – ich bete an und: Nimm mich hin. Ihr Urworte des Lebens, ihr geraden und steilen Wege zu Gott, ihr Tore in die Fülle, ihr Wege des Menschen zu sich.
Alles sammelt sich in das Eine: Mensch, lass dich los zu deinem Gott hin und du wirst dich selbst wieder haben. Jetzt haben dich andere, sie quälen dich und erschrecken dich und jagen dich von einer Not in die andere. Das ist dann die Freiheit, die siegt: Uns kann kein Tod nicht töten."

Alfred Delp

Das ist Karfreitag und das ist Ostern. Das ist der tiefe Glaube, dass nicht der Tod das letzte Wort über uns hat, weil Gott uns endgültig das Leben errungen hat.


Mirjam Schambeck sf

 

März 2013

 

In diesem Monat gibt es eine kleine Geschichte,
entstanden in etwas freier Auseinandersetzung mit Mk 10,17-27

Ich bin ein Vogel. Ein kleiner, gelber Vogel. Ich sitze hier auf der Schaukel in meinem Käfig, schwinge leicht hin und her, ganz leise, nur für mich.

Eigentlich ist es ein schöner Käfig, in dem ich lebe. Seine Gitterstäbe schimmern golden, wenn ein Lichtstrahl sie trifft. Ich bekomme täglich frisches Wasser, und zu essen habe ich auch genug.

Ich sitze also auf meiner Schaukel und starre vor mich hin. Nein – ich starre nicht vor mich hin, ich starre auf die kleine Tür meines Käfigs. Sie sieht heute so anders aus als sonst. Irgendwie ist sie nicht mehr vollständig. es fehlt etwas, etwas Entscheidendes. Es ist das kleine Vorhängeschloss, das nicht mehr da ist. Es ist weg.

Eigentlich bräuchte ich doch jetzt nur hinunterzuspringen von meiner Schaukel, der Tür einen kleinen Stoß zu geben und hinauszufliegen. Hinaus in die große, weite Welt.

Aber da draußen werden Gefahren lauern, Gefahren, die ich nicht kenne, denen ich nicht gewachsen bin. Ich würde all diesen Gefahren schutzlos ausgeliefert sein! Was ist, wenn ich es nicht schaffe, mich zu versorgen, mich zu ernähren? Wie soll ich eine Nahrungsquelle finden? Kann ich mich davor schützen, selbst zur Nahrungsquelle zu werden?
Vor allem aber: Was ist, wenn ich überhaupt nicht fliegen kann? Wenn ich schon beim Verlassen meines Käfigs hinunterfalle auf den harten, kalten Boden, weil meine Kraft nicht reicht, meine Flügel zu schwach sind?

Während meiner zweifelnden Gedanken höre ich auf zu schaukeln, ohne jedoch den Blick von der Tür abzuwenden. Ich könnte doch auch einfach hier sitzenbleiben, mich nicht mehr bewegen, um zu verhindern, dass die Tür versehentlich aufspringt. Ich könnte doch einfach so weiterleben wie bisher, in der Hoffnung, dass niemand die unverschlossene Tür bemerkt.
Ich springe hinunter von meiner Schaukel auf den Boden meines Käfigs. Ich löse den Blick von der Tür und schaue an mir herunter, betrachte erst meinen linken, dann meinen rechten Flügel. Vorsichtig, kaum bemerkbar, beginne ich sie zu bewegen. Ich richte meinen Kopf wieder auf, warte noch einen kurzen Moment und mache dann einen winzigen Schritt in Richtung Tür. Und plötzlich spüre ich, wie meine Flügel stärker werden, wie sie wachsen.
Oder – oder ist es einfach meine Kraft, die ich nun zu spüren beginne?

Carolin Lampa

 

Februar 2013

einmal mehr aufstehen
als zu boden gehen
einmal mehr die angst besiegen

einmal mehr hoffen
als enttäuscht werden
einmal mehr vertrauen wagen

einmal mehr zurückkehren
als fortgehen
einmal mehr den stolz überwinden

einmal mehr lachen
als weinen
einmal mehr von von beginnen

Gisela Baltes

 

 

 

 

 

 

Januar 2013

Leben kann man nur vorwärts, das Leben verstehen, nur rückwärts."

Dieses Wort wird dem dänischen Theologen und Philosophen Sören Kierkegaard (1813 – 1855) zugeschrieben. Kierkegaard selbst hat sein Leben lang darum gerungen zu verstehen, warum das Leben so ist, wie es ist, warum Menschen leiden müssen, warum sie Entscheidungen treffen, die wissentlich falsch sind, warum die Angst eine so große Macht im Leben Einzelner und ganzer Gesellschaften hat, und warum dennoch über allem die Hoffnung immer wieder aufflammt, dass alles gut werden wird.

Am Beginn eines neuen Jahres mag dieses Wort getränkt von der Lebensgeschichte Kierkegaards auch so manche Fragen, Ängste und Hoffnungen von uns ins Wort bringen.
Was wird werden?
Wird es den Menschen, die ich liebe, gut gehen?
Gelingt das, was ich mir vorgenommen habe und so sehr wünsche?
Wird dieses Jahr ein glückliches werden?


Wir wissen es nicht. Wir können nur hoffen, dass jeder Tag dieses neuen Jahres etwas von der Verheißung widerspiegelt, die in der Zusage Gottes liegt, dass wir für das Leben in Fülle gedacht sind (vgl. Joh 10,10).

"Leben kann man nur vorwärts, das Leben verstehen, nur rückwärts." Darin klingt die Erfahrung an, dass in der Rückschau so manches Ereignis in einem anderen Licht erscheint. Die Perspektive hat sich geändert. Was geschehen ist, steht nicht mehr nur für sich, sondern ist eingewoben in einen Lebenskontext, in eine größere Geschichte, die sich erst jetzt zu erkennen gibt. "Leben kann man nur vorwärts, das Leben verstehen nur rückwärts." Ein Wort, das mir zeigt, wie wichtig es ist, sich immer wieder auf neue Perspektiven einzulassen.

Mirjam Schambeck

 

Dezember 2012

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

November 2012

Ich habe Ruhe gesucht überall
und habe sie am Ende gefunden
in einem Winkel bei einem kleinen Buche.

Franz von Sales

immer wieder anhalten,
innenhalten,
eine Atempause einlegen

immer wieder bewusst einen Ort aufsuchen,
mich verorten,
Boden gewinnen

immer wieder Räume schaffen,
Ruhe suchen,
mich entdecken

dieser Ort, diese Ruhe
ist auch im Alltäglichen zu finden
bei einer Tasse Tee,
bei einem kleinen Buch
bei mir

Elisabeth Wöhrle sf


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oktober 2012

 

Bild: Peter Wöhrle